Außer der Reihe fand das Demokratieforum am 29. November an einem Samstagabend im Hattinger Bürgerzentrum statt. Zu Gast war Ibrahim Arslan mit der Dokumentation „Die Möllner Briefe“. Der Film von Martina Priessner hatte in diesem Jahr seine Premiere auf der Berlinale und wurde in den letzten Monaten bundesweit in Kinos gezeigt.
Bei dieser Dokumentation geht es um die vor 33 Jahren stattgefundenen rassistischen Brandanschläge von Mölln. Damals, in der Nacht vom 22. auf den 23. November 1992, begingen Rechtsextremisten in der schleswig-holsteinischen Kleinstadt Mölln zwei Brandanschläge. Sie ermordeten drei Menschen und verletzten neun weitere zum Teil schwer. Bei ihren Brandanschlägen griffen die Täter von türkischstämmigen Familien bewohnte Häuser mit Molotowcocktails an. Beim ersten Brandanschlag verletzten sie neun Menschen, zum Teil schwer. Der zweite Brandanschlag traf das Haus der Familie Arslan. Ibrahims 51-jährige Großmutter Bahide, seine 10-jährige Schwester Yeliz, und seine 14-jährige Cousine Ayşe starben in den Flammen. Ibrahim war damals 7 Jahre alt. Er überlebte den Brandanschlag. Die Brandanschläge von Mölln waren die ersten rassistisch motivierten Anschläge im wiedervereinten Deutschland, bei denen Menschen starben.
In diesem Film geht es aber nicht um die Hintergründe der Taten, die Täter, ihre Motive oder das von Medien und Politik geschürte rassistische Klima Anfang der 90er Jahre in Deutschland. Diese Dokumentation nimmt die Perspektive der Opfer ein. Was haben die Taten mit den Hinterbliebenen der Brandanschläge gemacht? Welche biographischen Spuren haben sie hinterlassen? Wie versuchen die Menschen damit umzugehen und ihre erlittenen Traumata aufzuarbeiten? Wie erinnern sie, privat, wie öffentlich an die Geschehnisse? Wie werden sie zu handelnden AkteurInnen ihres eigenen Lebens, die ihr Schicksal in die eigenen Hände nehmen und nicht nur „Opfer“ sind? Und welche Rolle spielt dabei Solidarität aus der Zivilgesellschaft? Gestern, wie heute.
Und das ist der Anlass und der rote Faden des Filmes: Gezeigte Solidarität vor über 30 Jahren. Eine Solidarität in Form von Briefen, Postkarten und Päckchen. Die „Möllner Briefe“. Tröstende Worte, Kinderzeichnungen der Solidarität, Hilfs- und Geldangebote. Doch die Kunde, dass diese Solidaritätsbekundungen existieren, erreichten die Familien erst drei Jahrzehnte später, als diese zufällig im Stadtarchiv der Stadt Mölln von einer Studentin gesichtet wurden. Ab dieser Entdeckung wurde klar, dass die Stadt Mölln den Betroffenen die Solidaritätsbekundungen vorenthielt und ihre soziale Isolation und Traumatisierung dadurch noch forcierte.

Die intensive Art des Filmes, die Betroffenen der Brandanschläge in und mit Interviews zu Worte kommen zu lassen und bei wichtigen Ereignissen des Aufarbeitungsprozesses zu begleiten, macht ihn zu einem besonderen Film der Gedenk- und Erinnerungskultur und ist ein Akt der Solidarität selbst.
Das spürten auch die rund 20 BesucherInnen, die die Gelegenheit nutzten mit Ibrahim Arslan ins Gespräch zu kommen.
Eine gelungene Demokratieveranstaltung der PfD-Hattingen im Jahr 2025.
Filmbegleitendes Schulmaterial von der Bundeszentrale für politische Bildung:
https://www.kinofenster.de/filme/filme-des-monats/200524/die-moellner-briefe
