Hattinger Forum für Demokratie #25 – Das politische Werk des Walter Trier

Wer kennt ihn nicht? Den Illustrator Walter Trier. Wenn nicht namentlich, dann seine Zeichnungen. Seine Buchillustrationen für den Schriftsteller Erich Kästner machten ihn weit über Deutschland bekannt und sind bis heute ein Markenzeichen für Kästners Bücher. So gilt das von ihm entworfene Buchcover zu „Emil und die Detektive“ als eine Ikone der deutschen Buchillustration. Trier arbeitete zudem für Zeitschriften wie den „Simplicissimus“ und die „Lustige Blätter“, illustrierte zahlreiche Kinderbücher, machte Klassikerbearbeitungen, Zeichentrickfilme und entwarf über 150 Cover für das Magazin „Lilliput“.

 

Was wenige über Walter Trier wissen, ist, dass er ein ausgewiesener Freigeist und Liberaler war, der sich schon in der Weimarer Republik mit Zeichenstift und Pinsel gegen den Aufstieg des Nationalsozialismus wandte. Er galt als unerschrockener Kritiker der Nazis. Nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten war der jüdische Künstler und Humanist seines Lebens in Deutschland nicht mehr sicher. Er wurde mit Berufsverbot belegt, Bücher, die er illustriert hatte (z.B. Kästner) wurden verboten und er wurde aus Künstlerverbänden ausgeschlossen. Neben den antisemitischen Anfeindungen wurde es für ihn immer schwieriger für seine Familie den Unterhalt zu verdienen. 1936 konnte er sich einer Verhaftung durch die GeStaPo knapp entziehen und floh mit Frau und Tochter nach England.

 

Nach seiner Flucht aus Nazi-Deutschland fand Trier als berühmter Illustrator schnell eine Anstellung in London.  Von hier aus erarbeitete er mit beißender Ironie hintergründige Karikaturen über das NS-Regime und seine mörderische Regierungsriege. Zwischen 1941 und 1944 zeichnete er wöchentlich Karikaturen für die u.a. von Sebastian Haffner herausgegebene deutschsprachige Publikation „Die Zeitung“. Für das britische Informationsministerium erstellte er verschiedene Flugschriften, die mit Flugzeugen über Deutschland und von Deutschen besetzten Gebieten abgeworfen wurden. Die Nazis fürchteten seine spitze und humorvoll-entlarvende Feder so stark, dass der Besitz einer seiner Bilder unter Todesstrafe verboten war. Nach dem Krieg zog es Walter Trier und seine Familie nach Kanada. 1951 verstarb Trier. Er wurde 61 Jahre alt.

Walter Triers Leben und Werk wird von Dr. Antje Warthorst, der Leiterin des Walter Trier-Archiv in Konstanz, vorgestellt.

 

Hattinger Forum für Demokratie

Bürgerzentrum Holschentor,

Talstraße 8, 45525 Hattingen

Sonntag, 1. November 2026

Start: 15:00 Uhr