Zum dritten Mal gastierte Tobias Dahmen mit einer seiner Graphic Novels in Hattingen. Im Oktober 2024 begeisterte er mit seiner „Columbusstraße“ und im März 2026 mit „Stell Dir vor“ das Hattinger Publikum. Am 12. Juli stellte er nun sein neuestes Werk „Al-Fazia – Das Grauen“ vor.
Seine neueste Graphic Novel „Al-Fazia – Das Grauen“ war, bzw. ist, keine Auto- oder Familienbiographie. Hier widmet sich Tobias Dahmen dem Schicksal des syrischen Architekturstudenten Akram Al-Saud, der unter dem syrischen Diktator Assad monatelang in Gefängnissen saß und dort, wie viele andere seiner Landsleute, auf brutalste gefoltert wurde. Akram Al-Saud blieb nach seiner Haftentlassung trotz allem in Syrien, versuchte die Gesellschaft neu und positiv zu gestalten, wurde wieder inhaftiert und gefoltert Schließlich beteiligte er sich an der Revolution gegen Assad und floh 2015 im Zuge des syrischen Bürgerkriegs über die gefährliche Mittelmeerroute nach Europa. Hier lebt er nun als anerkannter politischer Flüchtling in den Niederlanden.
„Al-Fazia’ – Das Grauen” ist im Rahmen des internationalen Projekts „Survivor-Centred Visual Narratives” der Universität Victoria in Kanada und des Social Sciences and Humanites Research Council of Canada (SSHRC) entstanden. Knapp zwei Jahre arbeiteten Tobi Dahmen und Akram Al Saud diese sehr persönliche Geschichte in zahlreichen Gesprächen auf. Im Anschluss zur gezeichneten Geschichte bietet die Graphic Novel noch ein gelungenes Glossar zu den sozialen und politischen Hintergründen Syriens und der dortigen Politik.
Wie nah sich die Männer in ihrer Beziehung und wie eng und intensiv die Auseinandersetzung der beiden Männer war, merkt man nicht nur der Graphic Novel an. Auch der Erzählung Tobias Dahmen, der viel über seine (neuen) Erfahrungen im Umgang mit traumatisierten Menschen und der künstlerischen Aufarbeitung und Umsetzung ihrer Geschichten zu erzählen wusste.
Über seinen Comic sagt Tobi Dahmen: „Akrams Schicksal ist das von vielen Syrerinnen und Syrern. Und er ist einer von denen, die noch darüber berichten können, Hunderttausende können das nicht mehr. Die Aufklärung und die Erinnerung an die Verbrechen des Assad-Regimes sind uns sehr wichtig. Aber diese sind natürlich auch mit den Menschen verbunden, die diese ertragen mussten. Wir reden so oft über Flüchtlinge, aber reden wir auch mit ihnen? Sind wir wirklich daran interessiert, warum sie zu uns kommen, was sie erlebt haben?“
Trotz der enormen sommerlichen Hitze waren 30 BesucherInnen in das Bürgerzentrum Holschentor gekommen. Im Anschluss an die Lesung kam es noch zu zahlreichen Fragen und einer lebhaften Debatte. Viele BesucherInnen ließen sich auch Werke von Tobias signieren. Es war eine gelungene Veranstaltung im Rahmen des Demokratieforum und der Reihe „Graphic Novels im Holschentor“.
